heike larsson ceramics logo

Pottery Blog: Studio Stories

8.2.2021
Ist Töpfern ist das neue Yoga?


Abgesehen davon, dass es mich ein Stück vom Backenzahn (ja - so fest habe ich beim Hochziehen sprichwörtlich die Zähne zusammengebissen) und heftige Nackenverspannungen (die bis zum MRT-bestätigten Bandscheibenvorfall reichten) gekostet hat, ist die Antwort: Ja.


Zumindest was den mentalen Teil betrifft. An der Töpferscheibe ist kein Platz für abschweifende Gedanken. Der Fokus liegt komplett im Moment des Schaffens. Vom Zentrieren des Tons, über das Öffnen der Form, bis zum Hochziehen des Randes, bin ich eine Einheit mit der - je nach Anteil Schamotte - mehr oder minder geschmeidigen Masse in meinen Händen. Mag natürlich sein, dass sich das mit den Jahren ändert, man mit der steigenden Anzahl Megastunden - und der damit gewonnen Routine - sich nebenbei die Nachrichten anschauen, den Kindern bei den Hausaufgaben helfen oder mit der Freundin ein Glas Sekt trinken kann. Soweit bin ich zu schreibender Stunde nicht.


Ich bin jetzt einfach mal froh, den Kiefer lockerlassen zu können - seitdem ich begriffen habe, dass man den Ton für den Rand nicht wirklich 'hochzieht', sondern dass er sich dadurch in die Höhe schiebt, indem man die Finger entsprechend (und mit Gefühl (!)) zusammendrückt. Da sieht man übrigens, wie irreführend Formulierungen sein können. Und seit die Physiotherapeuten mir geraten haben, die Schultern bewusster nach unten zu schieben - und zwischendurch auch immer wieder die Schulterblätter nach hinten zusammenzuziehen, sind die Nebenwirkungen deutlich vermindert. Diese Tipps gelten auch für alle, die nicht töpfern. Ein guter Trick ist sich einen Punkt im Raum zu merken, den man mit "Schultern nach hinten zusammendrücken" assoziiert. Immer, wenn man dorthin schaut, wird man automatisch an diese Bewegung erinnert. Das funktioniert tatsächlich.


Aber es ist nicht nur das Handwerk als solches, nein besonders auch die freigesetzte Kreativität bringt eine gewisse Magie mit. Gerade in diesem letzten C- Jahr war die Ablenkung für mich fast unbezahlbar. Sorgen und Ängste nimmt sie nicht, aber sie schafft Freiraum. Gedanken driften ab, die körperliche Anspannung lässt nach. Entkrampfung. Freude und nach vorne schauen. Etwas erst gedanklich konzipieren, es dann skizzieren und kreieren. Das haben auch meine bisherigen beruflichen Aufgaben mit sich gebracht, neu aber ist für mich der absolute Einfluß, den ich darauf habe. Das Ergebnis liegt einzig bei mir - ob gut oder schlecht. Alleine das Gefühl, ein selbst hergestelltes Produkt in der Hand zu halten, ist unbeschreiblich... Und wenn dann auch noch jemand sagt, "wow ist das schön" - und es sogar kaufen möchte. Vor lauter Glück muss ich aufpassen, meine Arbeit nicht nur zu verschenken...


Für mich war es ein neues Hobby, aus dem zur Zeit gerade mehr wird. Wo die Reise hingeht, weiß ich nicht, einen Fünfjahresplan habe ich keinen. Dafür umso mehr Freude und Spaß, beides teile ich gerne als eventuelle Inspiration mit euch. Von Herzen Dankeschön für euer Interesse.


Achja: Yoga habe ich seit dem 1.1. täglich praktiziert. Auch das ist etwas Neues für mich, früher hat es mir nie wirklich gut getan, mir wurde immer übel davon (?). Heute ist der herabschauende Hund entspannend wie nie zuvor. Ich hoffe ihr habt auch etwas, das ihr gerne tut und wer mag, kann mir gerne schreiben. 


Liebe Grüße, Heike